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Raymond Goethals
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Raymond Goethals (* 7. Oktober 1921 in BrĂŒssel; † 6. Dezember 2004 ebenda) war ein belgischer Fußballtrainer. Mit zehn bedeutenden Titeln, von denen er die meisten erst in seinen spĂ€ten Jahren errang, ist er der erfolgreichste Trainer seines Heimatlandes.

Contents

‱ Laufbahn
‱ Spieler
‱ Letzte Jahre
‱ Weblinks

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Laufbahn

Spieler

Als Spieler war er von frĂŒher Jugend an ab 1933 beim Daring Club de Bruxelles, einem VorgĂ€ngerverein des heutigen FC BrĂŒssel. Von 1941 bis 1949 spielte er dabei als Torwart in der ersten Mannschaft. Danach wechselte er bis 1952 zu Racing BrĂŒssel ehe er sich Crossing Schaerbeek anschloss, wo er seine Spielerlaufbahn ausklingen ließ.

Belgischer Nationaltrainer

Seine erste Trainerstation trat er 1956 beim Provinzklub RFC Hannutois an. Bereits 1957 ĂŒbernahm er den RS Waremme, den er binnen Jahresfrist zum Aufstieg in die dritte Liga fĂŒhrte, wenngleich die Klasse nur ein Jahr gehalten werden konnte. Danach verbrachte er ab 1959 sieben Jahre beim niedrig eingeschĂ€tzten St. Truiden, wo er 1965 mit der Vizemeisterschaft seinen ersten grĂ¶ĂŸeren Erfolg verbuchen konnte. Schon dort erhielt er den Beinamen „Tovenaar“, zu deutsch „Magier“.

1966 wurde er Assistent des seinerzeitigen belgischen Nationaltrainers Constant Vanden Stock, von dem er schließlich 1968 vollends die Verantwortung fĂŒr die belgische Nationalmannschaft ĂŒbernahm. Mit den „Roten Teufeln“, deren dominierender Akteur in jener Ära Belgiens „Spieler des Jahrhunderts“ Paul Van Himst war, ĂŒberwand Goethals auf dem Weg zur Qualifikation fĂŒr die Fußball-Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko unter anderem den amtierenden Vizeeuropameister Jugoslawien und Spanien.

1972 fĂŒhrte er Belgien zum dritten Platz bei der Fußball-Europameisterschaft 1972. Auf dem Weg dahin schalteten die Belgier den Titelverteidiger Italien aus und scheiterten erst im Halbfinale am spĂ€teren Turniersieger Deutschland.

In den beiden Qualifikationsspielen zur Fußball-Weltmeisterschaft 1974 gegen den spĂ€teren Vizeweltmeister, die NiederlĂ€ndische Fußballnationalmannschaft mit dem legendĂ€ren Johan Cruyff ließen die Belgier kein Gegentor zu und scheiterten punktgleich nur aufgrund der Tordifferenz. Dies blieb fĂŒr Goethals stets ein Grund fĂŒr große persönliche Genugtuung.

1976, in seinem Abschiedsjahr als Nationaltrainer, gelang ihm noch der Vorstoß ins Viertelfinale der Europameisterschaft 1976, wo sich die Roten Teufel aber diesmal den Niederlanden klar geschlagen geben mussten.

Vereinstrainer

Nachdem er in der Nationalmannschaft seinen Platz fĂŒr Guy Thys gerĂ€umt hatte, heuerte er noch 1976 beim Spitzenverein und amtierenden Sieger im europĂ€ischen Pokalsiegerwettbewerb, dem RSC Anderlecht, an. Bis zum Saisonende fĂŒhrte er die BrĂŒsseler erneut in das Finale des Europapokals der Pokalsieger, wo der RSC auf den Hamburger SV traf. Treffer von Georg „Schorsch“ Volkert und Felix Magath in den letzten 12 Minuten fĂŒr die von Kuno Klötzer trainierten Hanseaten verhinderten aber, dass zum zweiten Mal ein Europapokal in belgischen Besitz ging. Im Jahr darauf qualifizierte sich Anderlecht als dem Meister unterlegener belgischer Pokalfinalist fĂŒr den europĂ€ischen Pokalsiegerwettbewerb. Im Achtelfinale gelang dem um Spieler wie Rob Rensenbrink, Arie Haan und François Van der Elst formierten Team beim HSV der Sieg. Beim erneuten Finaleinzug der Belgier hatte diesmal FK Austria Wien keine Chance und unterlag klar mit 0:4. Anderlecht gelang damit auch als einzigem Verein dreimal hintereinander der Einzug in das Finale des Europapokals der Pokalsieger.

Doch auch in seinem anschließenden dritten Jahr beim Verein wurde Anderlecht nur Vizemeister. Nachdem er sich in den ersten beiden Jahren dem seinerzeit vom „Weltmeister der Trainer“ Ernst Happel gefĂŒhrten KV BrĂŒgge geschlagen geben musste, gewann im dritten Jahr der SK Beveren seine erste Meisterschaft.

1979 ging Goethals schließlich fĂŒr ein Jahr nach Frankreich zu Girondins Bordeaux, wo er Luis Carniglia, der mit Real Madrid als Trainer 1958 und 1959 zwei Landesmeistereuropapokale holte, im Amt beerbte, und zog anschließend weiter nach Brasilien, wo er 1981 mit dem FC SĂŁo Paulo die damals noch hoch im Kurs stehende Staatsmeisterschaft von SĂŁo Paulo gewann. Goethals wurde damit zum bislang einzigen europĂ€ischen Trainer, der einen bedeutenden Erfolg in Brasilien verbuchen konnte.

Skandal in LĂŒttich

Auch seine nachfolgende von 1981 bis 1984 andauernde TĂ€tigkeit bei Standard LĂŒttich wurde mit Titeln belohnt. Bereits im ersten Jahr gelang ihm mit der Mannschaft, bei der TorhĂŒter Michel Preud’homme, Arie Haan und Eric Gerets zu den herausragenden Akteuren zĂ€hlten, umgehend der dritte Einzug ins europĂ€ische Pokalsiegerfinale – ein Rekord fĂŒr Trainer –, wo diesmal aber der FC Barcelona eine zu hohe HĂŒrde war. Zum 2:1-Sieg der Katalanen in deren eigenem Stadion, dem Camp Nou, steuerte der Ex-Mönchengladbacher Allan Simonsen das Siegtor bei. 1982 gewann er auch die Belgische Meisterschaft, einen Titel, den er im Jahr darauf verteidigen konnte.

Im Februar 1984 eröffnete sich aber ein unrĂŒhmliches Kapitel fĂŒr Goethals und Standard LĂŒttich. Ein Bericht des Untersuchungsrichters Guy Bellemans zeigte eine UrkundenfĂ€lschung von Goethals im Zusammenhang mit einem von ihm mitinitiierten Plot auf Spieler des Gegners vor dem letzten und meisterschaftsentscheidenden Saisonspiel 1982/82 gegen THOR Waterschei, einem VorgĂ€ngerverein des heutigen KRC Genk, zu bestechen, begangen zu haben. Damit sollte auch das Verletzungsrisiko vor dem bevorstehenden Europapokalfinale gegen Barcelona minimiert werden. Goethals' Position beim Verein war damit nicht mehr haltbar und bereits im MĂ€rz saß er nicht mehr auf der Bank.

Der in Belgien wegen des dort Bellemanns-AffĂ€re genannten Bestechungsskandals gesperrte Goethals ĂŒbernahm in der Saison 1984/85 kurzfristig ein Engagement beim portugiesischen Erstligisten VitĂłria GuimarĂŁes.

Nachdem diese unsĂ€gliche Episode nicht mehr im Vordergrund stand, kehrte er nach Belgien zurĂŒck und trainierte ab 1985 fĂŒr zwei Jahre Racing Jet BrĂŒssel, der 1988 zu Racing Jet Wavre mutierte. 1987 durfte er erneut auf der Bank von Anderlecht Platz nehmen. Er nutzte die Gelegenheit, seine Reputation zu erneuern und gewann in den folgenden Jahren zweimal den Pokal. Dies verschaffte ihm ein zweites Engagement bei Girondins Bordeaux, wo er mit der Vizemeisterschaft 1989/90 einen beachtlichen Erfolg verbuchen konnte und womit sich der nunmehr bereits 69-jĂ€hrige Coach, dessen kurzfristiger Nachfolger bei Bordeaux der deutsch-franzose Gernot Rohr wurde, eigentlich in den Ruhestand verabschieden wollte.

SpÀter Karrierehöhepunkt in Frankreich

Im Dezember 1990 wurde er von Bernard Tapie, dem PrĂ€sidenten von Olympique Marseille, als Nothelfer und Nachfolger von Franz Beckenbauer, der zum Sportdirektor hochkomplimentiert wurde, bis zum Saisonende verpflichtet. Raymond Goethals enttĂ€uschte nicht. Ihm gelang nicht nur die Titelverteidigung in der französischen Landesmeisterschaft, sondern darĂŒber hinaus der Einzug in das Finale des Europapokals der Landesmeister 1990/91. Dort musste „OM“ aber noch Roter Stern Belgrad im Elfmeterschießen beigeben.

Der erfolgsgewohnte Jugoslawe Tomislav Ivić wurde Nachfolger des Belgiers, doch dieser hatte in Marseille keine glĂŒckliche Hand. Schon im November 1991 wurde Goethals erneut an die CĂŽte d’Azur geholt. Ihm gelang hier nicht nur die erneute Titelverteidigung in der Meisterschaft und 1993 gar die Vollendung eines Meisterschafts-Hattricks, sondern er verbuchte nun auch den grĂ¶ĂŸten Erfolg seiner Karriere. Mit dem Gewinn der erstmals so genannten Champions League 1993 durch einen 1:0-Finalsieg im MĂŒnchner Olympiastadion gegen den Titelverteidiger AC Mailand, der Spieler wie Marco van Basten, Frank Rijkaard, Franco Baresi und Paolo Maldini in seinen Reihen zĂ€hlte, holte er den bis 2025 einzigen großen Europapokal nach Frankreich. Er ist zugleich mit knapp 72 Jahren der bislang Ă€lteste Trainer, dem dieser Erfolg jemals gelang.

Zu den herausragenden Spielern dieser Ära von Marseille zĂ€hlten der mehrfache TorschĂŒtzenkönig Jean-Pierre Papin, der den Verein 1992 gen Mailand verließ, Torwart Fabien Barthez, Marcel Desailly, Rudi Völler, AbĂ©di PelĂ© und Didier Deschamps. Letztlich wurde Olympique Marseille aber infolge eines unrĂŒhmlichen Bestechungsskandals die Meisterschaft von 1993 wieder aberkannt. FĂŒr den Verein folgte der Zwangsabstieg und PrĂ€sident Tapie landete sogar im GefĂ€ngnis, doch Raymond Goethals wurde diesmal in keiner Weise beschuldigt.

Letzte Jahre

1993 kehrte Goethals noch einmal zum RSC Anderlecht zurĂŒck, wo er als Sportdirektor fungierte. Unter Trainer Johan Boskamp erreichte der Verein in den nĂ€chsten beiden Jahren zwei Meisterschaften. In der Saison 1995/96 nahm Raymond Goethals noch einmal kurzfristig selbst als Nothelfer auf der Bank, die sein Leben war, Platz. Im Alter von 75 Jahren zog er sich schließlich endgĂŒltig vom aktiven Fußball zurĂŒck, er blieb dem Sport aber als Analytiker im Fernsehen erhalten.

Raymond Goethals erreichte in Belgien legendĂ€ren Status. Sein uriger BrĂŒsseler Akzent sowie sein Usus Spielernamen hĂ€ufig falsch auszusprechen trugen zu seinem volkstĂŒmlichen Image bei. „Die Wissenschaft“ selbst nannte man ihn, Raymond la Science, und „Hexenmeister“. Die immer glimmende Zigarette im Mundwinkel war das Markenzeichen des „Gottvaters des belgischen Fußballs.“ Trotz alldem, darf in einer Nachbetrachtung ein Verweis auf seinen betrĂ€chtlichen Anteil an der Bellemanns-AffĂ€re, ein Skandal der den belgischen Fußball seinerzeit in seinen Grundfesten erschĂŒtterte, nicht außer Acht gelassen werden.

Raymond Goethals starb am 6. Dezember 2004 in seiner Heimatstadt BrĂŒssel im Alter von 83 Jahren an den Folgen von Darmkrebs.

Statistische Zusammenfassung

| 1956–1957 | Belgien RFC Hannutois | − |
|---|---|---|
| 1957–1959 | Belgien RS Waremme FC | − |
| 1959–1966 | Belgien KVV St. Truiden | − |
| 1966–1968 | Belgien Belgische Nationalmannschaft (Assistenztrainer) | − |
| 1968–1976 | Belgien Belgische Nationalmannschaft | − |
| 1976–1979 | Belgien RSC Anderlecht | 1978 Europapokal der Pokalsieger |
| 1979–1980 | Frankreich Girondins Bordeaux | − |
| 1980–1981 | Brasilien FC São Paulo | 1981 Staatsmeisterschaft von São Paulo |
| 1981–1984 | Belgien Standard LĂŒttich | 1982Âč, 1983 Belgischer Meister |
| 1984–1985 | Portugal Vitória Guimarães | − |
| 1985–1987 | Belgien Racing Jet BrĂŒssel | − |
| 1987–1989 | Belgien RSC Anderlecht | 1988, 1989 Belgischer Pokalsieger |
| 1989–1990 | Frankreich Girondins Bordeaux | − |
| 1990–1993 | Frankreich Olympique Marseille | 1991, 1992, 1993ÂČ Französischer Meister 1993 Champions League |
| 1995–1996 | Belgien RSC Anderlecht | − |

Âč Nach einigen Quellen wurde Standard LĂŒttich der Titel von 1982 aberkannt. Der belgische Fußballverband fĂŒhrt diesen jedoch weiterhin in seinen Listencite-ref-1[1]
ÂČ Der Meistertitel von 1993 wurde dem Verein offiziell aberkannt.

Weblinks

Commons

: Raymond Goethals

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ RSC Anderlecht – Offizielle Liste der Trainer im Webarchiv
‱ Olympique Marseille – Offizielle Liste der Trainer im Webarchiv
‱ rsssf.org: Liste – Trainer der französischen Vereine
‱ rsssf.org: Age records of EC winning players
‱ Goethals im Portal Belgien (englisch)

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ KBVB